ALL EYES ON: Tobo

2015
2015

Für unser nächstes "all eyes on" haben wir mit dem Berliner Graffiti Writer Tobo ein Interview geführt. Der ein oder andere kennt bestimmt seine Character!

Interview

Wann kamst du das erste Mal mit Graffiti in Verbindung?


Ca. mit 8. Ein etwas älterer Kumpel von mir hat damals angefangen zu malen und ich hab meine ersten “Tags“ auf Mülltonnen gesetzt. Mit ca. 12 ging es dann los, dass ich mir zum ersten Mal Dosen gekauft hab und mich angefangen hab für die Werke anderer Sprüher zu interessieren.

Wer hat dich Inspiriert?


Ganz am Anfang haben mich die Leute aus meiner Gegend inspiriert Roger, Fino, Skim, Old usw. Als ich dann mehr mit der S Bahn unterwegs war, haben mich OCB, KHC, RCB, GHS, DRM, natürlich CBS und viele viele weitere Berliner Writer begeistert. Ein starke Inspiration waren auch Cartoons wie Road Runner, Beavis and Butthead, Family Guy usw. Persönlich gefällt es mir mittlerweile am besten, wenn die Inspiration von dem Ort kommt, wo das Bild gemalt ist. Gibt dem ganzen quasi eine weitere Dimension.

Was bedeutet es für dich einen eigenen Style zu haben?


Style ist die Handschrift des Künstlers. Ich glaube wenn man mehr als 10 Jahre malt, bildet sich von alleine so etwas wie ein eigener Style. Er wird geprägt von den Sachen mit denen man sich beschäftigt und sagt viel über die Person aus.

Wo siehst du dich selber bei der Stylefindung?


Mitten drin. Jede Erfahrung die ich sammele, ergänzt das Repertoire. Mal schauen wo die Reise hinführt.

Kannst du deinen Style in ein paar Worten umschreiben?


Catoonlastig, swingig, aber mit Kanten die Buchstaben müssen klar erkennbar sein.

Wie kamst du auf deinen Character? Und warum heißt er Erik Rotheim?


Hatte kein Bock mehr Micky Maus oder Hoomer Simpson in meine Bilder zu malen. Kam mir vor als ob ich von Walt Disney oder Matt Groening bite. Da musste was eigenes her. Der Name kam zwei, drei Jahre später, als ich den Erfinder der Sprühdose gegoogelt hab. In all den Jahren die ich sprühe habe ich den Namen nicht einmal gehört. Jetzt heißt er Erik Rotheim zu ehren des Erfinders der Sprühdose Erik Andreas Rotheim.


Was bedeutet Graffiti für dich?


Wurde über die Jahre zu einem Teil meines Lebens. Kann mir gar nichts besseres zum abschalten vorstellen, als chillen, malen und wenn alles richtig gut läuft auch noch grillen.

Was für Musik hörst du beim malen?


Ganz unterschiedlich. Taktloss, Hank Williams III aber auch das beste aus den 60ern, 70ern, 80ern und 90ern.


Was ist dein Statement zur aktuellen Graffiti Szene?


Die Graffiti Szene ist auch nicht mehr das was sie mal war, erzählen mir Leute seit 15 oder 20 Jahren.  Subjektives Empfinden sage ich. An einem anderen Beispiel erklärt. Als du 5 Jahre alt warst, war ein Eis am Stiel für dich etwas ganz besonderes heute 20 Jahre später magst du immer noch Eis, aber die Begeisterung ist nicht mehr so groß wie damals. Oder?

Was hat sich verändert?


Es verändert sich viel! Einige Dinge werden besser, andere werden schlechter. Aber das ist subjektiv. Früher war angeblich die Motivation der Graffiti Sprüher die Liebe für die Sache. Heute ist Graffiti ein riesiges Business und die Intentionen der Writer sind deutlich vielfältiger geworden. Das hat vor und Nachteile. Meine ersten Dosen kaufte ich in einem kleinen Farbladen in Zehlendorf. Heute gibt es in fast jedem Berliner Bezirk einen Graffitiladen. 

Du bist Berliner. In welchen Städten außerhalb warst du schon aktiv?

In den letzten Jahren war ich unter anderem in Budapest, Dresden Frankfurt am Main, Hull, Jena, Leipzig, Magdeburg, München, Portland, Potsdam, Stuttgart und Zürich. Reisen ist immer eine gute Sache.

Wie wichtig ist es dir, dass andere deine Sachen sehen?

Es ist mir schon relativ wichtig, dass andere meine Werke sehen. Sonst würde ich auch nichts online veröffentlichen. In erster Linie geht es mir aber ums malen an sich.

Was gibst du der jüngeren Generation mit auf den Weg?

Nehmt die Sache nicht zu ernst. Die meisten von euch hören eh bald wieder auf zu malen.