ALL EYES ON: PAIN

"PAIN" So lautet der Name von dem Stylewriter von der Berliner DNS Crew.

Wir haben mit Pain ein Interview geführt und laden euch jetzt ein, in eine Welt voller Farben, Formen und verrückten Styles!

Nun viel spaß beim Lesen, wünscht euch euer BerlinWriters Team!

Stell dich mal vor, Wann hast du deine ersten Graffiti Anfänge?

Grüßt euch, mein Name ist Pain. Ich bin 27 Jahre alt und komme aus Braunschweig.
Meine ersten Sketches hab ich schon im zartem Alter von 5 gemacht. So richtig fing es aber so vor ca. 11 Jahren an.

Was sind deine Ziele im Bezug auf Graffiti?

Keine Ziele zu haben. Ein Hobby oder eine Leidenschaft ist doch noch eins der wenigen Dinge in denen man möglichst kein Ziel erreichen muss. Es gibt genug andere Dinge in meinem Leben bei denen ich gewissen Leistungsvorgaben entsprechen muss. Das einzige Ziel, wenn man es so nennen mag, ist möglichst immer genau das im Graff zu machen was mir in der Phase Spaß macht und mich persönlich weiter bringt.

Sind deine Bilder im Voraus komplett durchgeplant oder entstehen auch, zumindest Teile des Ganzen, spontan?

Also meistens sind die Buchstaben an sich schon vorher geplant. Ich kann zwar auch immer freestyle an die Wand gehen, aber da ich jetzt nicht so viel male wie manch anderer versuche ich sicher zu gehen mich mit jedem Bild weiterzuentwickeln, oder zumindest für mich neue Dinge mit einzubauen. Farben, Charakter und Background entstehen aber meist spontan an der Wand. Ich kaufe auch selten eine bestimmte Farbkombi ein. Meistens nehme ich das was ich noch habe und kaufe vielleicht ein paar Dosen dazu und schaue dann was sich daraus machen lässt.

Erinnerst du dich noch, wie du das erste mal mit BERLINWRITERS in Kontakt gekommen bist?

So genau weiß ich das nicht mehr, aber ich denke mal das jemand auf Facebook was von euch kommentiert hat und ich mich dann zu euch durchgeklickt habe. So wie das ja heutzutage meistens abläuft.

Bin dann letztlich immer öfter auf eurer Seite gelandet da der Content mir zu einem sehr großen Teil zusagt.

Du kommst ja nicht aus Berlin, erzähl mal etwas von deinen Berliner Crews und den Kontakt zu den Berlinern.

Naja DNS sollte jedem Berliner ein Begriff sein und  auch Vielen  im Rest von Deutschland. 2009 hat mich Town aufgenommen. Aufmerksam auf mich ist er durch meinen Bruder Kube und Bkey geworden mit denen ich zu der Zeit hier in Braunschweig gemalt habe und die damals schon bei DNS waren. Wenn ich so zurück denke war mein Kram da eigentlich noch viel zu mies aber Town hat wohl ein gewisses Potential in mir gesehen. Danke dafür an der Stelle!
War für mich definitiv eine krasse Motivation damals noch mehr Gas zu geben und eine gute Bestätigung dafür, dass es sich lohnt sich reinzuhängen. Lohnt sage ich im Bezug darauf dass man von anderen guten Writern wahrgenommen wird die schon viele Arten von Style kommen und gehen gesehen haben. Das ist immer mehr wert als Likes im Internet!


Deine Abstrakten Styles, wenn man sie so nennen darf, leiten sich ja nicht vom klassischen Stylewriting ab, wie lange hat diese Entwicklung gedauert von den Blockigen Buchstaben bis hin zur eigenen Styleentwicklung ?

Also angefangen hab ich auch recht klassisch würde ich behaupten. Mein Bruder hat mir beigebracht dass darin der Schlüssel zu einem guten Style liegt. Was man dann letztendlich daraus macht ist jedem selbst überlassen, aber die Basics müssen eben stimmen.
Angefangen hab ich so gesehen schon sehr früh als ich 5 Jahre alt war, aber eigentlich nur weil es mein großer Bruder gemacht hat und auch nur ab und zu mal ne Skizze. Das erste mal mit Dose kam dann viel später. Ich glaube ich war so 16 Jahre alt. Ab da wurde es dann immer mehr und ich hab angefangen es richtig „ernst“ zu nehmen. Ich bin jetzt also gut 11 Jahre dabei würde ich sagen.
Ob mein Style schon eigen ist, oder noch auf dem Weg dahin muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich versuche jetzt seit gut einem Jahr immer genau das zu machen was ich mir phasenweise vorstelle, auch wenn ich ab und zu sogar mit meiner eigenen bisherigen Vorstellung davon wie Graffiti zu sein, oder eben nicht zu sein hat, brechen muss.
Das Wichtigste ist es keinen Trends zu folgen. Für sich selbst aber auch für die Szene an sich. Es soll doch spannend und vielschichtig bleiben. Ich schlage lieber ein Magazin auf und sehe 20 Bilder mit 20 verschiedenen Styles als immer nur dasselbe. Auch wenn ich 19 Bilder davon persönlich scheiße finde. Ist doch interessant dass die Sachen die ich nicht mag von anderen wiederum abgefeiert werden. Ich mag viele Maler die ganz anders an die Sache rangehen als ich, trotzdem würde ich nicht auf die Idee kommen auf einmal so zu malen wie die.

Wer hat dich Inspiriert?

Als erstes natürlich Kube mein Bruder. Der Grundstein kam von ihm. Die ersten Helden waren, wie für viele Leute, Amok, Poet, Phos, Shek. Die alte Berliner Garde eben.
Etwas später kamen dann Case2, Dondi, Dome, Skeme, Vulcan, Skki, Bando, Jayone etc. dazu.
Ich würde sagen eine Mischung aus den oben genannten hat mir den Anfang geebnet.
Später haben mich dann zeitweise immer wieder neue Leute beeindruckt. Einige die mir noch spontan einfallen sind Planet/Angry, Enta,, Pro, Drik, Lans und bestimmt noch viele mehr.
Die größte Inspiration sind aber immer die Leute mit denen man über lang oder kurz einen gemeinsamen Weg geht. Da sind vorallem die Jungs aus Braunschweig zu nennen wie Trap, meinen guten Freund Emyr, Bkey, Blast und natürlich auch die Berliner Jungs von Dns Town, Kiss, Trisd, Bensa, Drew, Why und Slider aus Dresden.

2015 in Berlin
2015 in Berlin

Was bedeutet es für dich einen eigenen Style zu haben?
 
Ob ich einen eigenen Style hab können andere Leute für sich entscheiden. Und was die denken ist mir eigentlich ziemlich egal. Was mir wichtig ist, ist immer genau so zu malen wie ich will. Was andere davon halten ist mir mit der Zeit immer weniger wichtig geworden. Ich freue mich natürlich über positives Feedback, bin aber nicht davon abhängig.

Wo siehst du dich selber bei der Stylefindung?

Irgendwo zwischen hier und Nirgendwo. Hauptsache nicht am Ende, dann kann ich ja aufhören.

Kannst du deinen Style in ein paar Worten umschreiben?

Das fällt mir ehrlich gesagt schwer. Ich denke er ist sehr strukturiert, klar und definiert. Aber wie mein Style wirkt können Leute die ihn einfach nur betrachten wahrscheinlich besser beschreiben.

Was bedeutet Graffiti für dich?

Es bedient unterschiedliche Bedürfnisse in mir. Freiheit, der Drang nach Wettbewerb und sich zu beweisen, Ruhe und auch Spannung. Es kommt immer drauf an wo man malt, mit wem und in welcher Phase in seinem Leben. Es kann immer ein Ausgleich zum restlichen Leben sein je nachdem wie man an die Sache rangeht. Wichtig ist sich einen klaren Kopf zu machen, sich zu überlegen was man von der ganzen Sache für sich erwartet und dann einfach loslegen!

Was für Musik hörst du beim malen?

Da bin ich nicht sonderlich festgelegt. Solange mich die Musik pusht ist es gut zum malen. Das kann klassischer Rap sein, Funk, elektronische Musik, aber auch älterer Rock oder auch mal Metal. Das einzige womit ich eigentlich wirklich nichts anfangen kann ist Drum n Bass und Techno.

Was hat sich verändert?
dein statement zur aktuellen graffiti szene weltweit.

Die Szene wird größer und größer und bekommt auch immer mehr Aufmerksamkeit von außen. Das führt natürlich dazu dass es mehr und mehr unterschiedliche Ausprägungen gibt. Einiges gefällt, anderes eben nicht. So ist das. Was ich cool finde IST, dass es immer mehr Leute gibt die Qualität und Illegales zusammen bringen. Das geht schon bei den Tags los. Ich gucke mir was das angeht viel an und bewundere das stark! Was ich schade finde ist dass sich die Szene immer mehr in einzelne Kategorien abgrenzt und die Leute mit ähnlichem Stil immer mehr unter sich bleiben. Ich fände es cool wenn die Leute offener wären und bereit wären das etwas mehr zu vermischen. Ignoranz ist aber ein ganz schwieriges Thema im Graff meiner Meinung nach. Ich habe in keinem anderen Bereich meines Lebens so viele ignorante Idioten getroffen wie im Graffiti. Unbekannte Leute überschätzen sich tierische und versuchen sich durch Alphatiergehabe einen Platz in der Szene zu sichern. Viele Jungs von denen die sehr anerkannt sind haben permanent Schiss ihren Status zu verlieren habe ich das Gefühl. Da wird ständig mit Nachdruck betont wie gut sie sind und was sie nicht alles schon gebracht haben obwohl eigentlich keiner was dagegen sagt. Lasst doch einfach eure Bilder sprechen und scheißt euch nicht ein wenn euch irgendwer nicht feiert.
Trotzdem trifft man auch immer wieder Menschen die einen bereichern und sehr interessant sind. Ich glaube dass es einfach typisch ist dass man in einer Szene in der so viel Leidenschaft steckt viele exzentrische Persönlichkeiten trifft. Die können einen entweder stark beeindrucken oder auch stark ankotzen.


In welchen Städten außerhalb warst du schon aktiv?

Meistens male ich in meiner Heimatstadt Braunschweig. Innerhalb von Deutschland waren es ansonsten Berlin, Hamburg, Dresden, Magdeburg und Hannover. Im Ausland Barcelona, Malta und Prag.

Wie wichtig ist es dir, dass andere deine Sachen sehen?

Natürlich gehört es dazu dass man sich anderen Malern präsentiert und auch gespannt darauf ist was sie von dem eigenen Kram halten. Man  darf sich aber nicht davon abhängig machen wie gut es ankommt. Für mich ist ein Kommentar von einem Writer den ich selber schätze auch viel wichtiger als von Leuten die gar nicht malen oder deren Kram mir nicht gefällt.

Was gibst du der jüngeren Generation mit auf den Weg?

Reflektiert euch selbst. Lernt von Älteren aber seit auch nicht blind und zu hörig. Respektiert die Regeln die vor euch da waren aber definiert auch eure eigenen. Es ist immer ein schmaler Grad auf dem man in der Graffiti Szene wandelt. Lasst euch nicht entmutigen weil irgendwer mehr Fame hat und hebt nicht ab wenn ihr viel Fame habt.
Fangt nicht an zu malen um einem Image zu entsprechen, um cool zu sein oder um bekannt zu sein. Fangt an weil ihr Bock auf die Sache an sich habt und lasst euch nicht irritieren wenn ihr das Gefühl habt nicht reinzupassen. Ich hoffe dass immer mehr unterschiedliche Leute mit einem unterschiedlichen Hintergrund anfangen zu malen damit die Szene noch vielschichtiger wird.

Was ist dir im Leben wichtig? Und Woher kommt deine Motivation jeden Tag immer wieder zu malen?

Meine Familie, meine Freundin und meine Freunde an erster Stelle. Danach kommt ziemlich direkt mein Studium was auch den größten Teil der Zeit einnimmt. Danach kommt dann Graffiti. Ich male schon lange nicht mehr jeden Tag und Gott sei Dank ist Graffiti nicht das einzig Gute in meinem Leben. Wenn das so wäre, würde ich wahrscheinlich zu genau so einem verhaltensgestörten Idiot wie viele Leute aus der Szene werden. Ich war selber oft kurz davor dass ich Graffiti zu viel Bedeutung zugeschrieben hab und das hat letztendliche dazu geführt dass ich zeitweise den Spaß daran verloren habe. Was mich motiviert? Wahrscheinlich wenn sich über lange Zeit zu viele Ideen angestaut haben die dann einfach mal raus müssen. Ich male nicht einfach nur um zu malen. Ich mache es dann wenn ich wirklich den Drang dazu verspüre und schon fast das Gefühl habe es muss sein.


Noch Irgendwelche abschließenden Worte?

An alle Maler da draußen, egal ob Illegal, Hall, Newschool oder Oldschool, hört auf nur das zu respektieren was eurer Meinung nach „real“ ist. Fang stattdessen an vor allem die Vielschichtigkeit von Graffiti zu respektieren. Nicht nur styletechnisch, sondern auch die unterschiedlichen Herangehensweise an das Ganze. Ich Fand immer die Momente besonders cool in denen die unterschiedlichsten Leute zusammen gekommen sind um zu malen. Man sollte durch Graffiti eine Verbundenheit haben die dafür sorgt dass man mit Menschen in Kontakt kommt mit denen man sonst vielleicht nie gesprochen hätte. Das hilft euch nicht nur im Graffiti sondern auch als Person. Weniger Dogma und mehr Offenheit!


In dem Sinne Grüße an: Emir, Town, Kiss, Trisd, Slider, Why, Bkey, Lanser, Franky Freeze, Dieno, Blast, Skim, Cavs, Drew, Trap, Oldi, Copsa, Only aka Akai, Yudoe, Spuk, Kartel, Agil, Raw Tnb, Izzy und Lectrics und an alle anderen von den Guten!

Wir danken dir, für dieses Interessante Interview!

Fotos aus dem Jahr 2015

all eyes on ist ein projekt von berlinwriters.com